Reflexivität

Wir versuchen in diesem Fallbeispiel die Reflexivität oder auch den sogenannten Effekt der Rückkopplung und Selbstverstärkung zur Erklärung der Marktentwicklung zu nutzen. Dies ist keine neue Idee. Auch Investoren wie der milliardenschwere George Soros nutzen den Effekt der Reflexivität schon seit Jahren bei Ihren Anlageentscheidungen (Sein Fonds Quantum Endowment, hat seit 1973 insgesamt einen Gewinn von 39,6 Mrd. $ erzielt). Hierbei ist anzumerken, dass die Reflexivität in vielen Ausprägungen am Finanzmarkt vorkommt und es scheinbar mehrere Möglichkeiten gibt, daran zu partizipieren

Bei der Reflexivität wird der Aktienkurs durch die Anlegermeinung beeinflusst aber auch wiederum die Anlegermeinung durch den Aktienkurs. Beide beeinflussen sich gegenseitig mit ständig wechselnder Intensität und in ständig wechselnden Zeitintervallen.

 

Reflexivität in der Fundamentalanalyse

Laut George Soros gibt es Fundamentals, die den realen Preis eines Assets widerspiegeln. Ich werde zur Vereinfachung das Kurs-Gewinn-Verhältnis als Platzhalter für die Fundamentals nehmen. So ist z.B. in unserem Beispiel die Mehrheit der Anleger der Ansicht, dass der KGV von 17 für Firma XY der Marktwert bzw. der Wert ist, der den Unternehmenswert wiederspiegelt. Damit ist die Kennzahl KGV das Fundamental.

Steigende oder fallende Kurse spiegeln die Marktmeinung aller Anleger wieder.

Durch steigende Kurse (Marktmeinung) steigt automatisch auch der KGV (Fundamental) auf z.B. 18 ->Fundamental wurde durch die Marktmeinung beeinflusst

Fallen die Kurse (Marktmeinung) , so fällt automatisch auch der KGV (Fundamental) auf z.B. 16  ->Fundamental wurde durch die Marktmeinung beeinflusst

Kurs 85 /
Gewinnschätzung 5
KGV 17

Kurs 80/
Gewinnschätzung 5
KGV 16

Kurs 90 /
Gewinnschätzung 5
KGV 18

 

Nun ist es auch so, dass auch die Anlegermeinung beeinflusst werden kann.
Ein sinkender KGV z.B. auf 16 suggeriert dem Anleger, dass die Aktie billig ist und er kauft ein.

So steigt der vorher gefallene Kurs wieder -> Marktmeinung wurde durch den Fundamental beeinflusst.

Man sieht in diesem Fall, dass der Kurs oder auch die Marktmeinung von den Fundamentals beeinflusst wird, aber das auch die Fundamentals von dem Kurs (Marktmeinung) beeinflusst werden kann. Beide beeinflussen sich gegenseitig mit ständig wechselnder Intensität und in ständig wechselnden Zeit Intervallen. Damit haben wir mit einem sehr einfachen Beispiel die Reflexivität zwischen den Fundamentals und der Marktmeinung der Anleger beschrieben.

2. Manchmal aber entfernen sich die Kurse (Marktmeinung) von den Fundamentals. Dies kann passieren, wenn die Gewinnschätzung stark nach oben korrigiert wird. Eine solche seriöse Einschätzung mehrerer Häuser kann die Kurse mit nach oben reißen, weil  Gesellschaften mit guter Aktienperformance von den Banken als besonders kreditwürdig eingestuft werden. Auch kann sich die Aktiengesellschaft am Markt durch Neuemissionen zusätzliches Kapital beschaffen.

Er folgt eine neue Gewinnschätzung von 7. Die Aktien steigt weiter auf 119. Durch die neue Gewinnschätzung haben wir weiterhin ein KGV von 17

Kurs 119 /
Gewinnschätzung 7
KGV 17

Dadurch ermutigt steigen immer mehr Anleger auf den Trend auf. Die Kurse gehen immer weiter hoch, die Gewinnschätzungen ebenfalls

Kurs 170/
Gewinnschätzung 10
KGV 17

Der Trend läuft heiß. Die Wirtschaft bekommt langsam Schatten. Die neue Gewinnprognose wird wieder auf 7 korrigiert.

Kurs 170/
Gewinnschätzung 7
KGV 24

Plötzlich ist der KGV bei 24. Also viel höher wie der von den Anlegern anerkannte „reale Wert“ von 17. Jetzt kriegen viele Anleger kalte Füße und fangen an zu verkaufen. Es kommt zu einem Crash (Boom and Bust)

 

Reflexivität in der technischen Analyse

Wir nehmen einmal an es existiert eine Reflexivität zwischen dem Aktienkurs und dem

gleitenden Durchschnitt 20 Tage, Kurzform GD 20.

Grund: Sehr viele Anleger glauben an die Effektivität des GD 20 und bilden daraus Ihre Anlegermeinung. Sie sind der Meinung dass der GD 20 der optimale Wert ist.

Ist der Aktienkurs drüber, so gehen Sie davon aus, dass es einen Trend nach oben gibt, da der Aktienkurs ja stärker ausfällt als deren Erwartung.

 

Fallbeispiel:

-Der Aktienkurs kreuzt den GD 20 nach oben. Viele Anleger glauben, dass wenn der Aktienkurs über den GD 20 ist, es weiterhin zu steigenden Kursen kommen wird (Aktienkurs wurde durch die Anlegermeinung beeinflusst).

-Also Kaufen die Anleger. Diese Aktienkäufe treiben den Kurs nach oben und damit auch den GD 20. (Anlegermeinung wurde durch den Aktienkurs beeinflusst). So beeinflussen sich die beiden Faktoren fortwährend gegenseitig und mit ständig wechselnder Stärke. Es entsteht eine Art Gleichgewicht der Kräfte.

 

Manchmal aber eher selten wird dieses Gleichgewicht des Zusammenspiels ausgehebelt und es entsteht ein selbst verstärkender Trend. Z.B wenn die Strategie wie oben beschrieben eine Zeitlang sehr gut funktioniert hat, springen immer mehr Leute auf den Aufwärtstrend auf.

 

Auf diese Weise wird die Stimmung schnell angeheizt. Entfernt sich der Kurs zu sehr und zu schnell von der Anlegermeinung (GD 20), so ist ein Rücksetzer vorprogrammiert und dieser fällt in allgemeinen umso stärker aus, je stärker vorher der Auftrieb war. Dabei bewegt sich der Kurs meist nicht zurück ins Gleichgewicht, sondern schwankt zuerst einmal in das andere Extrem. Nach unten meist ruckartiger und stärker als nach oben. Der Extremfall wäre ein Crash, die Systematik kann man aber in gemäßigter Form auch in ruhigen Zeiten beobachten (Quasi Boom and Bust im Kleinen).

 

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